«Wir sind beim Thema Branchennachwuchs hellwach»


Stellen im AGVS die Aus- und Weiterbildung des Branchennachwuchses sicher: (v. l.) Olivier Maeder (­BBK-Geschäftsleiter), Beat Künzi (Schweizerische Kommission für Berufsentwicklung und Qualität AGVS), Richard Kägi (Präsident Verband Schweizerischer Werkstattlehrer VSW), Brigitte Hostettler (Verantwortliche kaufmännische Grundbildung und Detailhandel), Hans Pfister (Präsident Kommission kaufmännische Grundbildung), BBK-Präsident Charles-Albert Hediger, Peter Baschnagel (Präsident QSK Höhere Fachprüfung), Arnold Schöpfer (Verantwortlicher technische Grund- und Weiterbildungen), Werner Bieli (Präsident QSK Automobildiagnostiker und Automobil-Werkstattkoordinator), Rolf Künzle (Präsident Schweizerische Vereinigung Berufsschullehrer Automobiltechnik) und Andreas Billeter (Präsident Kommission Detailhandel).

2. Februar 2018 autoberufe.ch – «Das professionelle Marketing im Ausbildungsbereich ist unerlässlich, um heutzutage Lernende für die Garagen zu finden»:  Der Appell von Charles-Albert Hediger als Präsident an der Berufsbildungskommission (BBK) war deutlich. Nebst Herausforderungen vermeldeten die Kommissionen Fortschritte und wachsendes Interesse an Ausbildungen im Autogewerbe.

tki. «Wir möchten weiterhin die Zusammenarbeit mit den wichtigsten Playern der Bildung, in erster Linie den Sektionen, aber auch den Importeuren fördern»: Olivier Maeder präsentierte zum Auftakt der BBK-Sitzung in seiner Funktion als Geschäftsführer klare Ziele für den Kompetenzbereich Bildung, einer tragenden Säule des AGVS. «Wir wollen weiterhin innovativ sein, lancieren unter anderem auf Mitte Jahr einen autoberufe.ch-Newsletter für unseren Berufsnachwuchs und fördern mit den Berufsmeisterschaften, den SwissSkills und dem EuroCup, der in der Schweiz stattfinden wird, Motivation und Handwerk. Und mit einem Imagefilm werben wir erneut um Nachwuchs für die spannende Welt der Autoberufe», fuhr Maeder vor den gut 60 Sitzungsteilnehmern aus allen Sektionen fort. Und diese wussten genau: Die Ziele sind wichtig, aber mit viel Arbeit verbunden. «Sehr wichtig sind uns auch die sich in Revision befindenden technischen Grundbildungen», fügte Maeder an, um einen Schwerpunkt der einmal jährlich durchgeführten BBK-Sitzung vorwegzunehmen.

Nebst den derzeit erstmals durchgeführten Fachprüfungen Fahrzeugrestaurator, stehen heuer denn auch die Berufsfeldanalysen zu den Reformen in den Bereichen Kaufmännische Grundbildung und Grundbildung Detailhandel «Verkauf 2022+» an. Bei der höheren Berufsbildung stehen die Überprüfungen der Inhalte der Z-Kompetenzbereiche der Automobildiagnostiker und Automobil-Werkstatt-Koordinatoren an. Des Weiteren die Durchführung der Berufsprüfungen und Höheren Fachprüfungen. Beim Kundendienstberater steht ebenfalls die Revision des Prüfungsreglements zur Debatte, ausserdem sind die AGVS-Verantwortlichen bestrebt, die Business Academy auszubauen.

Sobald vonseiten des Bundes die Vision Berufsbildung 2030 abgeschlossen ist, geht der AGVS die Aktualisierung der eigenen Berufsbildungsstrategie an. «Wir nahmen Stellung und kritisierten einige wichtige Punkte», so Maeder. Auf Basis des unlängst gefällten Entscheids der Projektsteuergruppe des Bundes diskutiert der AGVS an der Verbundpartnertagung vom 20./21. März mit den anderen Organisationen der Arbeitswelt und den Kantonen über die Leitliniendetails.

«Freuen uns schon auf die nächste Revision»
Dass die Mühlen der Schweizerischen Bildungspolitik nicht nur langsam und gründlich mahlen, sondern auch kompliziert sind, wurde spätestens mit den Ausführungen zu den Revisionen der technischen Grundbildungen klar – einer «riesen Kiste», wie Beat Künzi, Präsident der Steuergruppe Bildungsrevision ergänzte: «Der Aufwand war aus meiner Sicht eher gross, aber es ist eine wichtige Sache, deshalb freuen wir uns auch schon wieder auf die nächste Revision», so Künzi und erntete einige Schmunzler. Der Grundtenor darf denn auch positiv stimmen «Wir sind bereit für die Umsetzung im August 2018. Was noch fehlt, sind einige Anhänge.» Einblick in diese gewährte Arnold Schöpfer als Projektleiter der Revision.

Marathonarbeit geht in Schlussspurt
Fertig sind Ausbildungsprogramm Lehrbetriebe mit Lerndokumentation, Ausbil­dungs­programm überbetriebliche Kurse, Aus­bildungsprogramm Berufsfachschule, jenes der fachtechnischen Ausbildung mit Abschluss sowie des Didaktik-Moduls des AGVS mit Abschluss und die Kriterien von MSS-Komptenzen. Noch in Arbeit sind die Ausführungsbestimmungen zum Qualifika­tions­verfahren mit Abschlussprüfung inklu­sive Anhang sowie gegebenenfalls Leistungsnachweise zu den überbetrieblichen Kursen (üK). Pendent sind ebenfalls Feinschliffe im Organisationsreglement üK, Angaben zur Mindesteinrichtung respektive zum -sortiment der Lehrbetriebe, die Liste der Abschlüsse der Höheren Berufsbildung und Ausbildungsberechtigungen. Ausserdem wartet das Reglement über die Fachprüfung für den Umgang mit Kältemitteln bis August 2018 auf die Schlussbearbeitung. Eine Übersicht der stetig aktualisierten Dokumente findet sich auf der Website des AGVS. Die Neuerungen wurden und werden den Sektionen im Rahmen der «Berufsbildungstour» (siehe AUTOINSIDE 1, Seite 49) im Detail vorgestellt.

Auf Hilfe zurückgreifen
Weiter ging es mit dem zu überarbeitenden üK-Organisationsreglements. Schöpfer: «Wir wurden mit dem Problem konfrontiert, dass die Ausbildungszeit von acht Stunden pro Tag bei einigen Kursleitern zu vielen Überstunden führen kann.» In diesem Zusammenhang betonte er, dass die regionalen Kurskommissionen nicht nur für die Überprüfung der üK-Umsetzungen zuständig seien, sondern auch bei der Organisation und Durchführung Hand bieten.

Mit der Zeit gehen – aber wie?
Zu reden gaben derweil auch die Durchführungen der Qualifikationsverfahren. Die als Beispiel beim Automobil-Mechatroniker 15 je 50 Minuten umfassenden praktischen Prüfungsposten müssen an die neue Bildungsverordnung angepasst werden. Hierfür versucht die Arbeitsgruppe QV, die neu vorausgesetzten Handlungskompetenzen zu integrieren. «Zudem machen wir uns bereits Gedanken, wie diese Kompetenzen im Rahmen des schriflichen Dossierteils geprüft werden könnten», offenbarte Schöpfer die nötige Weitsicht der Arbeitsgruppe QV. Weit schwieriger dürfte sich die Diskussion um den zeitgemässen Einsatz von elektronischen Hilfsmitteln bei den Schlussprüfungen gestalten. Während die Prüflinge unbestritten persönliche Fachliteratur, Nachschlagewerke, Unterlagen der üK und der Berufsfachschule sowie andere Unterlagen in gedruckter Form benutzen dürfen, gestaltet sich dies nun, da neu elektronische Lehrmittel einsetzt werden, schwieriger. Schöpfer gab nach der Präsentation der B&Q-Empfehlungen die Diskussion frei und bat um Rückmeldungen aus den Sektionen, wenn diese bei der Verwendung der Hilfsmitteln Probleme erkennen sollten.

Die elektronischen Lehrmittel nutzen
Dass eben diese ab Sommer 2018 national eingeführten elektronischen Lehrmittel nicht etwa ein Fluch, sondern für die Lernenden ein Segen sowie für die Verantwortlichen eine Notwendigkeit der heutigen Zeit sei, erklärte Rolf Künzle. Der Präsident der Schweizerischen Vereinigung der Berufsschullehrer für Automobiltechnik  betonte, dass ab Sommer 2018 auch für die Automobil-Assistenten ein elektronisches Lehrmittel angeboten würde. «Es wäre schade, wenn die Sektionen von den entsprechenden Lernenden keinen Laptop verlangen und sie mit der nötigen Software und Lizenz ausstatten», gab Künzle zu bedenken. 

Das Plädoyer für elektronische Lehrmittel ergänzte Richard Kägi, Präsident Verband Schweizerischer Werkstattlehrer, der während zwei Jahren die Pilotversuche mit dem neuen Lehrmittel begleitet hat. Mit dem elektronischen, nicht mehr statischen Lehrmittel gehe die Adaptionsfähigkeit einher, zudem würden die Kursstandorte Ressourcen sparen (siehe Box). «Das Fachbuch kann in elektronischer Form laufend ergänzt werden. Jetzt ist wirklich die Gelegenheit, diese Neuerung auch im üK anzuwenden», weibelte er.

Nach vier Stunden und Einblicken in alle AGVS-Bildungsressorts wurden nicht nur Fortschritte und Diskussionsbereitschaft deutlich, sondern auch, dass den engagierten Chargenträgern der Kommissionen die Arbeit nicht ausgehen wird. «Das Autogewerbe schläft nicht – und wir sind beim Thema Branchennachwuchs hellwach», so Maeder. Die nächste BBK-Sitzung findet am Donnerstag, 24. Januar 2019 statt.
 
Weitere Informationen aus den einzelnen Kommissionen finden sich in der AUTOINSIDE-Märzausgabe.
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