Neuwagenmarkt erholt sich zögerlich – Occasionen als Stütze

16. November 2020 agvs-upsa.ch – Die Covid-19-Pandemie führt zu einem vergleichslosen Einbruch im Schweizer Neuwagenmarkt. Die Ökonomen von BAK Economics rechnen mit einem Minus von 26 Prozent auf 232'000 Neuwagen. Eine wichtige Stütze ist der Occasionsmarkt. 


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pd. Der Konjunkturausblick für das Schweizer Autogewerbe geht 2021 nur von einer zögerlichen Erholung im Neuwagenmarkt aus. Mit rund 266'000 Neuimmatrikulationen dürfte der Markt auch nächstes Jahr deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von rund 300'000 Fahrzeugen liegen.

Corona hat dem Schweizer Neuwagenmarkt stark zugesetzt. Nach historischen Einbrüchen von bis zu 70 Prozent aufgrund des Lockdowns im Frühling hat sich die Nachfrage nach Neuwagen seither nur zögerlich erholt. Die Neuzulassungen liegen weiterhin 10 bis 20 Prozent unter den Vorjahreswerten, kumuliert bis Oktober wurden 27 Prozent beziehungsweise rund 70'000 Neuwagen weniger immatrikuliert als im Jahr 2019. Für das Gesamtjahr 2020 bleibt wenig Raum für eine spürbare Verbesserung. BAK Economics rechnet mit einem Rückgang um 26 Prozent auf 232'000 Neuwagen. 

Der Lockdown hat im zweiten Quartal 2020 deutliche Bremsspuren in der Konjunktur hinterlassen. Im Vergleich zum vierten Quartal 2019 brach die gesamtwirtschaftliche Leistung in der Schweiz um 9 Prozent ein. Nach der Rücknahme der meisten Restriktionen kam es im dritten Quartal zu einer starken Erholung. Als weniger günstig beurteilen die BAK-Ökonomen die Aussichten in der nahen Zukunft: Aufgrund der national wie international wieder deutlich steigenden Fallzahlen gehen sie davon aus, dass die wirtschaftliche Erholung im Winterhalbjahr 2020/21 unterbrochen wird. Eine nachhaltige Verbesserung ist erst mit der breitflächigen Verfügbarkeit eines Impfstoffes zu erwarten. Für das Gesamtjahr 2020 erwartet BAK einen Rückgang des Schweizer BIP von 3,6 Prozent. Im Jahr 2021 ist eine Expansion der Wirtschaft um 3,4 Prozent zu erwarten. Dies ist angesichts des starken Einbruches im Jahr 2020 bescheiden. Das Vorkrisenniveau der gesamtwirtschaftlichen Leistung der Schweiz wird erst Ende 2021 wieder erreicht werden können.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für das Autogewerbe werden sich 2021 leicht verbessern und der Neuwagenmarkt im Jahresverlauf allmählich an Schwung gewinnen. Für das Gesamtjahr 2021 rechnet BAK Economics mit einer verhaltenen Erholung auf 266'000 Neuwagen (+15%). Damit liegt der Neuwagenmarkt im nächsten Jahr deutlich unter dem Schnitt der vergangenen Jahre. Es wird voraussichtlich noch bis 2024/25 dauern, bis die Anzahl an Neuzulassungen wieder ein Niveau erreichen, das ohne die Pandemie möglich gewesen wäre.

Die Pandemie und die dadurch verlangten Massnahmen hatten im Frühjahr auch den Gebrauchtwagenmarkt negativ beeinflusst. Mit Rückgängen zwischen 20 Prozent (März) und 40 Prozent (April) war der Gebrauchtwagenmarkt während dem Lockdown jedoch etwas weniger stark betroffen als der Neuwagenhandel. Seit den Lockerungsschritten erhielten Occasionen jedoch einen starken Nachfrageaufschwung; die Handänderungen lagen im Juni 27 Prozent und in den nachfolgenden Monaten gut 8 Prozent über Vorjahreswert. Das schwindende Angebot von guten Occasionen wird den Gebrauchtwagenmarkt jedoch zunehmend hemmen. Für das Gesamtjahr 2020 prognostiziert BAK Economics für den Schweizer Gebrauchtwagenmarkt nur ein leichtes Minus von 1,2 Prozent auf 837'000 Handänderungen. Die erhöhte Nachfrage nach Occasionen wird aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen voraussichtlich auch im nächsten Jahr anhalten und zu einem leichten Wachstum des Gebrauchtwagenmarktes von 2,5 Prozent führen.

Stabil erweisen sich die Werkstattumsätze. 2020 dürften die geringere Fahrleistung während des Lockdowns durch die höhere Fahrzeugnutzung im zweiten Halbjahr in etwa kompensiert werden. BAK rechnet im Jahr 2020 mit einem leichten Rückgang der Werkstattumsätze von 1,2 Prozent. Im Jahr 2021 wird ein Wachstum von 2,3 Prozent erwartet.

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Kommentare


Adrian Schmidlin 17. November 2020 - 15:57
Wer sagt oder bestimmt denn eigentlich, dass es immer Bergauf gehen muss? Diese Konjunkturforscher, Experten, Wahrsager? Schaut man sich einmal auf unseren Strassen um, schaut man die prallvollen Occasionshalden an, dann würde man sich besser die Frage stellen, wo diese Forschungen überhaupt hinführen sollen. Unsere Garage geht nun mit meinen Söhnen schon in die dritte Generation und wir arbeiten noch heute auf den Fundamenten unseres Grossvaters! Bodenständig, nicht jeden Mist mitmachen, nicht immer der Grösste sein wollen und in der Regel erst einmal abwarten und über Entscheidungen ein paar Mal schlafen hat dazu beigetragen, dass unser Betrieb 1. selbstfinanziert ist und 2. noch heute auf den getrennten Säulen Garage, Carrosserie und zum Schluss auf Verkauf aufgebaut ist. Alle Sparten sind bis heute getrennt und agieren selbständig. Dies funktioniert seit Jahrzehnten hervorragend. Krisen zeigen in der Regel neue Wege auf. Wer an vergangenem herum studiert, verpasst die Zukunft! Es können auch nicht alle überleben. Zu meiner Zeit benötigte man noch einen Meisterbrief, um eine Garage zu führen, während heute kaum noch Auflagen benötigt werden. Ob dies nun ein Vorteil für die Zukunft sein wird, wage ich zu bestreiten. Fakt ist, es wird in unserem Gewerbe eine massive Verjüngung in den nächsten Jahren geben, was ich auch eher gut finde. Dies wird Betriebe, die auf gutem Fundament gebaut sind, stärken. Fast jedem wurde in den letzten Jahren bewusst, dass wir so nicht weiter machen können! Der Krug ist in jeder Hinsicht voll und die Elektromobilität wird in Zukunft viele zum Umdenken bewegen und für viele Garagen das Aus bedeuten. Wer nicht schon vor Jahren die Weichen dazu gestellt hat, fährt aufs Abstellgleis. Sachlich gesehen nützen dabei Konjunkturausblicke in meinen Augen wenig. Wer sich nicht selber bemüht und den Markt einschätzen kann, begibt sich auf dünnes Eis.